Ich liebe Hunde ...

... seit ich denken kann. Zu meinen ersten verständlichen Aussagen gehörte, dass ich unbedingt einen haben müsse. Es dauerte dann noch fünfzehn Jahre, bis mein Wunsch wahr wurde, doch dann bekam ich einen wunderschönen belgischen Schäferhund. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich alles über Hundeerziehung (wie sie damals praktiziert wurde) und das angebliche Wesen des Hundes gelesen, den man dominieren müsse, da er nun mal nicht partnerschaftlich denke.

 

Die Wissenschaft hat in den vergangenen Jahren viel Neues über die Beziehung von Wölfen untereinander und auch über die Beziehung unserer Vorfahren zum Wolf herausgefunden. Unter anderem, dass es damals wir Menschenaffen waren, die von den hoch entwickelten vierfüßigen Jägern profitiert haben - und nicht etwa umgekehrt. Denn während Familiensinn bei den Menschenaffen noch nicht hoch im Kurs stand, jeder nur seine eigene Brut beschützte, praktizierten Wölfe schon sehr früh Loyalität, Zusammenhalt und Zuneigung im ganzen Rudel und wurden so zu sehr viel erfolgreicheren Jägern, als unsere direkten Vorfahren. Kurz und gut: die ersten Menschen begannen umzudenken - und wurden dem Vorbild der angeblich reißend aggressiven Wölfe folgend ... sozial.

 

 

Warum ich das ausgerechnet hier thematisiere?

Um meinen und allen Hunden etwas zurückzugeben. Einfach weil ich durch sie so viel gelernt habe; sogar für meine Bücher. Beispielsweise verließ mich meine liebe Kaya kürzlich nach vierzehn gemeinsamen Jahren und veränderte damit meinen aktuellen Text BLAUBART - plötzlich wusste ich, wie ich Verlust beschreiben sollte.

 

Doch das nur am Rande. Da wir uns inzwischen als menschlich und emphatisch einschätzen, sollte es selbstverständlich sein, dass wir diese Fähigkeiten auch anderen Arten gegenüber praktizieren. Doch leider ist das nicht immer der Fall. Die Nachfahren der Wölfe haben uns schon immer mit ihrem Leben beschützt, wir aber beschützen noch nicht einmal ihr Leben. Zur Zeit besonders nicht in Rumänien. Auf das Unglück der Hunde dort möchte ich gern aufmerksam machen.

 

Seit 2013, als angeblich ein paar Streuner ein Kind totbissen, werden Hunde dort im ganzen Land verfolgt und müssen teilweise bestialisch verrecken, da man ihnen in sogenannten Tötungsstationen weder Wasser noch Nahrung zukommen lässt, bis sie sich gegenseitig zerfleischen.

 

Profit mit diesem Leid machen Hundefänger, die Kopfprämien für jedes gefangene Tier kassieren. Subventioniert wird das ganze tödliche System zu allem Überfluss von der EU. Anstatt Streuner zu kastrieren werden sie gefangen und abgeschlachtet, weil auf diese Weise der eine oder der andere ein wenig Geld verdient. Die Ressource Hund aber wächst unglücklicher Weise immer wieder nach.

 

 

Seit ein paar Jahren gibt es zahlreiche seriöse Organisationen, die Shelter in Rumänien bauen, Kastrationsprojekte durchführen und Hunde nach Deutschland vermitteln. Sie werden oft kritisiert, weil man auf diese Weise nur die Symptome, nicht aber die Krankheit therapiert. Die Krankheit ist aber fehlendes Mitgefühl und bis dieses beim Menschen nachwächst, ist es vielleicht der einzige Weg, wenigstens einigen zu helfen, statt alle aufzugeben. Zumal sie keine Konkurrenz bieten, wenn es um die Population in deutschen Tierheimen geht, wie Experten glaubhaft versichern.

 

Ich stieß vor zwei Jahren ganz zufällig auf rumänische Hunde in einer Anzeige. Sie haben mich fasziniert, weil sie im Wald gefunden wurden und mich an Wölfe erinnerten. Einen davon haben wir adoptiert. Vergangenes Jahr haben wir als Pflegestelle weitere Hunde aufgenommen, zwei davon weitervermittelt und einen behalten. Unsere Rumänen machen uns viel Freude und bringen uns jeden Tag etwas bei, indem sie zeigen, wie es ist, die erste Beziehung zu einem Menschen aufzubauen, das erste Mal auf einem Sofa zu sitzen, zum ersten Mal ein warmes und sicheres Zuhause zu haben.

 

Nicht jeder kann einen Hund aufnehmen. Aber womöglich könnten Sie erwägen, ein paar Euro zu spenden. Wenn Sie irgendwo von Petitionen hören, könnten Sie vielleicht gegen das Leid rumänischer Hunde unterschreiben. Niemand von uns kann die ganze Welt retten, aber jeder kann ein kleines Bisschen beitragen. Was man dafür zurückbekommt, ist in der Regel sehr viel größer, als das, was man gibt.